Tiefenpsychologie - Bin ich nur "Ich"? 

Tiefenpsychologie ist ein Oberbegriff, der auf Freuds Theorie des Unbewußten zurückgreift. Dieses Unbewußte hat zwar durchaus Eingang in die Alltagssprache gefunden, doch handelt es sich um eine ziemlich abstrakte Konstruktion, die für viele Personen nur schwer verständlich oder auch überhaupt nicht akzeptabel ist.  

 

Um welche Tiefe geht es?

Freud beschrieb psychische Instanzen, aus denen jede Person besteht: Ein Über-Ich, das Normen und Werte fordert und teilweise unbewußt ist, ein Es, das Triebe und Wünsche beinhaltet und unbewußt ist und ein Ich, das als bewußte Instanz zwischen Über-Ich und Es zu vermitteln versucht. So weit so gut, doch die Herausforderung beginnt an dem Punkt, wo Freud formuliert "Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus". Das bedeutet, daß ich nicht (so einfach) feststellen kann, was alles unbewußt ist und - viel schlimmer - daß meine unbewußten Persönlichkeitsanteile autonom sind, d. h. sie machen, was sie wollen. Mein bewußtes Ich - also das, worauf sich die meisten Menschen verlassen (möchten) - hat relativ wenig Möglichkeiten, mit den unbewußten Bestrebungen umzugehen. Daraus entstehen dann die Phänomene, die Freud Neurosen genannt hat: untaugliche, manchmal auch sinnlose Versuche, im bewußten Leben irrationale Einbrüche des Unbewußten abzuwehren bzw. in Schach zu halten. Solche neurotischen Tendenzen äußern sich dann häufig in Angst und Panik, Zwang, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, körperlich nicht begründbaren Krankheiten usw.

 

Autonomie des Unbewußten

Der Psychologe C. G. Jung beschreibt dieses Phänomen in seinen Träumen, Erinnerungen und Gedanken als zwei Persönlichkeiten: Person 1 als "Ich-Bewußtsein", d. h. so, wie ich aktiv von mir selbst denken und mich selbst sehen kann, und das Unbewußte als Person 2, als ein autonomer anderer, der etwas mit mir macht, dem ich letztlich nur folgen kann. 

 

Es geht also um verschiedene Persönlichkeitsschichten, die wir bildlich anordnen können, das wache Bewußtsein "oben", das dunkle Unbewußte "unten", also in der Tiefe. Diese Theorie wird allerdings nicht von allen psychologischen Richtungen geteilt, sie ist das Kernmerkmal aller tiefenpsychologischen Verfahren. Verhaltenspsychologische Richtungen haben und nutzen keine solche Theorie.

 

Was macht eine tiefenpsychologische Psychotherapie?

Ausgehend von Freud haben sich unterschiedliche Ansätze entwickelt, im Rahmen einer Psychotherapie diesem Unbewußten näherzukommen: Üblich sind die freie Assoziation, d. h. das ungebremste Erzählen des Klienten, die Traumdeutung, indem der Traum als Sprache des Unbewußten interpretiert wird und die Übertragung, d. h. die Projektion emotionaler Konflikte vom Klienten auf den Therapeuten.

 

Welche einzelnen Verfahren und Methoden gibt es?

Am bekanntesten ist die Psychoanalyse nach Freud, die allerdings hohe Ansprüche an den Klienten stellt und meist sehr zeitaufwendig ist. Weiterhin gibt es die Analytische Psychotherapie nach C. G. Jung, die Individualpsychologie nach A. Adler, die Vegetotherapie (Körperpsychotherapie) nach W. Reich und zahlreiche weitere Abspaltungen und Verästelungen. Ein Versuch, die Theorie des Unbewußten aufrechtzuerhalten, die komplexe Herangehensweise der Psychoanalyse jedoch zu vereinfachen, stellt die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TFP oder TPP) dar. 

    

 

 

Tiefenpsychologie Berlin
Tiefenpsychologie Psychoanalyse Berlin