Analytische Psychotherapie - das gleiche wie Psychoanalyse? 

Diese Form der Psychotherapie gehört zum Verfahren der Tiefenpsychologie und ist historisch verwandt mit der Psychoanalyse (nach Freud), aber nicht mit dieser zu verwechseln! Der weltberühmte Psychologe C. G. Jung gilt als Schüler Freuds, mindestens standen beide für ca. sechs Jahre in engem beruflichen Kontakt. Es waren die Lehren Freuds, die Jung primär zur Psychoanalyse gebracht haben, jedoch erweiterte und modifizierte Jung die Konzepte der Psychoanalyse, woraufhin es zum Bruch mit Freud kam.

 

Worin bestehen die Unterschiede?

Während Freud die Bereiche Philosophie und Religion strikt aus seinem Werk auszuklammern versuchte und sich als Naturwissenschaftler verstand, erkannte Jung, daß die Psychologie in der direkten Tradition von Philosophie und Seelsorge steht. Jung holte das Magische, das Ergriffensein, die Sinnfrage zurück in den psychotherapeutischen Bereich. Statt - wie Freud - seelisches Geschehen und seelische Störungen hauptsächlich auf verdrängte sexuelle Triebe zu reduzieren, stellte Jung eine neue Libido-Theorie auf, die eine nicht aufs Sexuelle beschränkte, grundsätzliche psychische Energie umfaßte.  

 

Jungs Archetypenlehre

Großes Augenmerk richtete Jung auf die sogenannten Archetypen: Tief im Unbewußten verborgene seelische Strukturen, die unpersönlich sind, die also keine Verbindung zu persönlichen Erfahrungen oder Erinnerungen haben, aber in emotional stark besetzten Augenblicken in das Bewußtsein einbrechen und somit Zustände von Angst, Panik, Verwirrung oder Depressivität auslösen können. Die Analytische Therapie formuliert das Ziel, an möglichst vielen Stellen zwischen persönlicher Erfahrung und kollektiven Archetypen unterscheiden zu können, der Gewinn liegt in der Erkenntnis, Teil eines großen Ganzen zu sein und den Kontrast zur tatsächlichen Individualität bewußt erfassen zu können.

 

Analytische Psychotherapie betont die Lebenszyklen

Jungs Verfahren wird teilweise auch Komplexe Psychologie genannt, aufgrund ihrer weitreichenden Verbindungen in alle Zeitalter und alle Geistes- und Erfahrungswissenschaften. Dennoch war Jung wahrscheinlich der erste, der einen sehr lebenspraktischen Ansatz in die Psychotherapie eingeführt hat, der später z. B. von den humanistischen Verfahren (z. B. person-zentrierte Psychotherapie) aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Es ist der Lebenszyklus, der große Bogen von der Geburt bis zum Tod und die spezifischen Eigenheiten der darin enthaltenen Lebensphasen, die Jung in einen direkten Zusammenhang mit natürlichen, biologischen und auch kosmischen Phänomenen gesetzt hat. In der Analytischen Psychotherapie lernt der Klient, sich als Teil der Natur zu erfahren, nicht im Sinne einer Reduktion auf physiologisches Leben, sondern in der sinnvollen Verbindung seelischer und materieller Abläufe. Jung nennt diesen Prozeß - analog zu philosophischen Gedanken - die Individuation.

 

Der Gedanke der Ganzheit

In der westlichen Welt ohne wirkliche Entsprechung, kennen wir aus fernöstlichen Religionen und Weisheiten ein tiefes Bewußtsein der Ganzheit, der Vollständigkeit. Das chinesische Dao und das bekannte Yin-Yang-Symbol sind weit verbreitet. C. G. Jung schlägt in seinem Werk viele Brücken von abendländischer Weisheit zu fernöstlichen Philosophien.  

 

Verbindung zur Humanistischen Psychotherapie

Der Humanismus bzw. die von mir im Kern praktizierte person-zentrierte Psychotherapie fokussiert nicht explizit das Konstrukt des Unbewußten, steht dieser Theorie jedoch offen gegenüber. Letzten Endes sind die humanistischen Ansätze aus der Verbindung von Philosophie und Tiefenpsychologie entstanden, so daß eine sinnvolle Integration dieser beiden Bereiche stattfinden kann. Gerade in Lebensphasen jenseits der Lebensmitte tauchen verstärkt Fragen nach Sinnhaftigkeit und Endlichkeit auf. Ich bieten Ihnen hier gerne eine entsprechende therapeutische Begleitung, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf!  

 

 

 

 

C. G. Jung Holger Nikolai Berlin
Ordentliches Mitglied der C. G. Jung Gesellschaft Berlin