Die Lebensmitte - Immer nur "Midlife-Crisis" oder auch Chance zur Umkehr?

Veränderung vollzieht sich das ganze Leben hindurch - doch ist Veränderung auch Umkehr? Mit dem mathematischen Begriff der Enantiodromie verbindet C. G. Jung den psychotherapeutischen Weg der Individuation, d. h. der Selbstwerdung in dem Sinne, daß eine Person das ihr eigene Verhältnis von Individualität und Kollektiv erkennt und erfährt.  

 

Nichts ohne sein Gegenteil 

Das Seelen-, Welt- und Menschenbild C. G. Jungs ist polar bzw. komplementär aufgebaut: Nichts geht ohne das Gegenteil, bzw. eine "Sache" enthält automatisch auch ihr Gegenteil. Somit ergeben sich spannungsreiche, aber ergänzende Beziehungen zwischen Männlichem und Weiblichem, zwischen Seele und Körper, zwischen Zeit und Ewigkeit. Das menschliche Leben sieht Jung als einen (kleinen?) Spannungsbogen, der sich ergibt, wenn sich Kreis und Linie (wieder ein Gegensatzpaar) überschneiden und die Schnittpunkte als die menschlichen Eckdaten Leben und Tod erfaßt werden. Aus der nachstehenden Grafik ergibt sich, daß der ganze Kreis, also das seelische Leben, unendlich, vielleicht spiralförmig weitergeht und unsere irdische Erfahrung nur einen Auschnitt darstellt. Dieser für den Menschen unmittelbar erfahrbare Spannungsbogen wiederum teilt sich - zeitlich betrachtet - in einen Aufstieg und einen Abstieg, mit der Lebensmitte als Wendepunkt:

 

 

 

 

Der zeitliche Abschnitt der Lebensmitte erfolgt - erfahrungsgemäß - bei jedem Menschen zur etwa gleichen Zeit, unabhängig vom tatsächlich erreichten Lebensalter. Hier zeigt sich das Vorhandensein einer transpersonalen, kollektiven Ordnung, der auch das individuelle Leben des einzelnen unterliegt.  

 

Begleiterscheinungen der Lebensmitte 

Die Herausforderungen der Lebensmitte werden nicht ohne Grund umgangssprachlich auch mit dem Begriff "Midlife-Crisis" belegt. "Krise" ist hier übrigens in erster Linie wertneutral als "Höhepunkt" zu verstehen, nicht zwangsläufig als "Katastrophe" oder ähnliches. Vielmehr zeigt sich die Notwendigkeit einer Neuordnung des eigenen Lebens, verbunden mit der Erfahrung, daß bisherige Einstellungen, Gewohnheiten und Herangehensweisen überprüft und verändert werden müssen. Abstrakte Ziele wollen definiert werden, wo bisher die Orientierung am faktisch gegebenen ausreichend erschien. Die Folge sind sehr häufig Zustände der Erschöpfung, der Ratlosigkeit, manchmal auch verbunden mit Depressivität, körperlichen Erscheinungen und Krankheiten oder dem sprichwörtlichen "Ausgebranntsein".  

 

Gibt es eine Lösung? 

Diese Phase des Lebens will gestaltet werden! Mit der dann einsetzenden "fallenden" Dynamik (siehe Grafik) wird eine neue Form der seelischen Bewegung erforderlich. Dies zu begleiten, um zu einer neuen Zufriedenheit zu gelangen, ist ein hauptsächliches Anliegen der Analytischen Psychotherapie und von größtem Wert. Gestalten Sie Ihre Zukunft!